Sie
sagte, sie würde lieber tanzend sterben als alleine in ihrem Raum.
(Teilnehmerin
an einer Tanzstudie mit 70 bis 90ig-Jährigen)
Die
ostdeutsche Musikzeitschrift „Melodie und Rhythmus“ bestand in früheren
Zeiten zu einem guten Teil aus Live-Reportagen aus Kneipen und
Tanzkaffees. Musik existierte in erster Linie live. Schallplatte und Tonband kratzten schon an der
Notwendigkeit von Live-Musikern, die CD schließlich machte mit ihrer
Soundqualität und Billigkeit zumindest für’s Tanzen und Nur-Musikhören
Musiker überflüssig. Wir werden den umgekehrten Prozess auch wieder
erleben. Konservierte Musik in gigantischen Massen und zum Null-Tarif
wird uns überfluten, schon jetzt laden Leute Musikmassen aus dem Web,
für deren Anhörung ihre Lebenszeit nicht ausreichen wird. Den Reiz wird
ausmachen: der lebende Musiker, unperfekt, fehlerhaft, aber lebendig.
Und während ein Konservensong theoretisch jeden der x-Milliarden
Erdenbewohner erreichen kann, bleibt jedes Live-Erlebnis exklusiv auf eine
mehr oder weniger kleine Gruppe von Hörern beschränkt. Halt etwas
Besonderes.
Also fragt
euern Kneiper, warum er keine Live-Musik spielt. Und wenn er sagt, er
könne das nicht bezahlen, glaubt ihm nicht und fragt nächste Woche
wieder. Denkt an eure Macht als Publikum. Ihr könnt Musiker glücklich
machen, wenn ihr tanzt, und sie werden besser spielen.
Und
jeder wird zum Live-Musiker indem er: singt. Man merkt, diese
Seite hier geht gegen Konservenmusik, die uns auch das Selber-Singen
abgewöhnt hat. "Sing, sing, sing", singen Travis und schon Shakespeare
meinte: Traue keinem der nicht singt. Singen macht gesund, du versetzt
dich automatisch in einen meditativen Zustand, der dich den ganzen
Müllmix aus Frust über das Arbeitsleben, Beziehungsstress und
zvilisatorischem Unglück überwinden hilft. Wenn du plötzlich anfängst zu
singen, lachen alle, probier's mal. Selber singen ist Balsam für die
Seele. Je schwieriger dein Leben, desto mehr singe! Singe, ohne
Anstrengung, einfache Sachen, mach deinen Körper zum Resonanzboden,
bringe ihn zum Schwingen, ein riesiges Gefühl. Durch die
Menschheitsgeschichte zieht sich, dass misshandelte Menschengruppen das
Leben durch Singen erträglich gemacht haben, auf Galeeren, auf
Baumwollfeldern, als Kautschukgeiseln. Und wenn Menschen trotz ihrer
Armut mehr Leuchten in den Augen haben als hochzivilisierte fettbäuchige Dauernörgler:
eins machen sie mit Sicherheit, sie singen auch mehr.
Zu
lebendiger Musik gehört noch eins: Tanzen. Musik ist die edelste
der Künste und Tanzen die edelste der Bewegungen. Es geht um's
Lebensgefühl. Es gibt Länder, da gehen Menschen tanzend zur Arbeit.
Nimm deinen Körper wahr. Gewinne Haltung. Lass die Sinne nicht
verkümmern. Erotik in der Öffentlichkeit, gesellschaftlich legitimiert
beim Tanzen. Am besten bei Live-Musik. Du bist lebensmüde? Geh tanzen.
Körperkoordination, starkes Herz, starke Gelenke, starke Ausstrahlung.
Tanzen kann Sport ersetzen.